Erinnern wir uns kurz an 2024: Nach der Übernahme durch Broadcom herrschte Panik. Preise stiegen, das Lizenzmodell wurde auf Subscription (VCF/VVF) umgestellt, und viele CIOs riefen das Ziel aus: "Weg von VMware, egal wohin."
Heute, im Januar 2026, zeigt sich ein anderes Bild. Die meisten Unternehmen nutzen weiterhin vSphere. Nicht aus Faulheit, sondern aus mathematischer Notwendigkeit. Die Migrationskosten zu Nutanix, Hyper-V oder rein in die Cloud wurden oft massiv unterschätzt – sowohl finanziell als auch operativ.
Das "Good Enough" Problem der Alternativen
Viele Alternativen versprachen 80% der Features zum halben Preis. In der Praxis zeigte sich jedoch oft: Die fehlenden 20% sind genau die Funktionen, die den Betrieb stabil und effizient hielten (DRS, robustes Storage-Handling, Ökosystem-Integration).
"Wer 2024 hektisch migriert hat, zahlt heute oft Lehrgeld in Form von Instabilität oder höheren Operational Expenses."
In unseren Audits sehen wir: Teams, die auf alternative Hypervisoren gewechselt sind, benötigen oft 30-50% mehr Zeit für Standard-Tasks wie Patching, Backup-Verification oder Troubleshooting. Diese Personalkosten fressen die Lizenzersparnis oft auf.
Strategie 2026: Konsolidierung ist King
Statt die Plattform zu wechseln, haben erfolgreiche IT-Abteilungen ihre Umgebung radikal konsolidiert. Das Broadcom-Modell ("Per Core") belohnt hohe Dichte.
Unsere Top-3 Maßnahmen aus aktuellen Projekten:
- Hardware-Refresh auf High-Frequency CPUs: Weniger Cores, mehr Leistung pro Core. Wir sehen Konsolidierungsraten von 3:1 im Vergleich zu 2022er Hardware.
- Aggressives Right-Sizing: VMs sind oft massiv überprovisioniert. Ein striktes "Monitoring-first"-Konzept erlaubt es, vCPUs und RAM zu reduzieren, ohne die App-Performance zu gefährden.
- Storage-Offloading: Wo früher vSAN "für alles" genutzt wurde, kommen heute wieder dedizierte Storage-Arrays für Bulk-Daten zum Einsatz, um die vSAN-Lizenzkosten (TiB-basiert) im Rahmen zu halten.
Fazit: Bleiben, aber bewusster.
VMware ist 2026 kein "No-Brainer" mehr, sondern ein Premium-Produkt. Wer es wie ein Premium-Produkt behandelt – also effizient und professionell nutzt – profitiert weiterhin von der besten Stabilität am Markt. Wer jedoch "Legacy-Wildwuchs" betreibt, wird zur Kasse gebeten.
Unser Rat für dieses Jahr: Prüfen Sie Ihre Cluster-Dichte. Wenn Ihre CPU-Auslastung im Schnitt unter 40% liegt, zahlen Sie zu viel – nicht an Broadcom, sondern für ineffiziente Architektur.